. Kollektion SS24
Neue Designs, neue Marken, Lieblingsprodukte.
Kramer und Kramer stellt vor.
Das neue Anfragetool.
Familie Bohnenbaum:
Das gute Leben im Diesseits
Die Welt ist so schön, und die Welt ist so
reich,
Doch ist halt das Leben für alle nicht gleich.
Es geht durcheinander, es ist kunterbunt,
Und doch ist die bucklige Welt kugelrund.
Ein jeder Mensch hofft, und ein jeder Mensch strebt,
Doch viele sind da, die umsonst nur gelebt.
Was nützt alles Denken, es gibt nur den Schluss,
Es kommt schließlich alles, wie kommen es muss.
(aus: »Wenn der Herrgott net will, nutzt es gar nix«
von Artur Kaps und Ernst Arnold, 1935)
DIE BOHNENBAUMS AUF DEM WEG IN DIE ZUKUNFT.
Die Bohnenbaums
haben für das Religiöse keine besondere Begabung. Von dieser Seite erwarten sie
keinen Trost und fürchten keine Drohungen. Der Himmel und auch die Hölle sind
keine Option. Aber jünger werden die Bohnenbaums nicht. (Vergleichen Sie dazu
einfach die Gesichter der Bohnenbaums im Kramer-und-Kramer-Magazin »Sommergartentraum« aus dem Jahr 2009 mit den hier zu sehenden.) Die eigene Endlichkeit
ist ihnen wohl bewusst. Bis dato ist sie ihnen aber ein metaphysisches und kein
technisches Problem. Und damit sind sie zusehends allein.
Mit Vehemenz und unter
großem Jubel schwappt der Techno-Optimismus über den Großen Teich[1], ist mancherorts
Religionsersatz. Und auch wenn die Bohnenbaums dem Zeitgeist nicht recht trauen,
sich lieber mit den schönen Dingen befassen und den tagtäglichen Zumutungen wohlweislich
aus dem Weg gehen, stolpern sie gelegentlich über Neuigkeiten aus der weiten
Welt. Wenn sie lesen, sehen, hören (müssen), was so los ist draußen, was als
modern gilt und was als überholt und wer aller glaubt, mit seiner Meinung recht
zu haben, kommen sie ganz schön ins Staunen. Und manchmal übermannt sie das
Gefühl, den Puls der Zeit nicht mehr zu spüren. Das wollen sie so nicht, die
Neugierde ist angeboren. Was ihre Gegenwart so mit sich bringt, das möchten sie
schon wissen, und riskieren gern mal einen Blick nach vorn in eine der vielen
möglichen Zukünfte.
Da sie bekanntlich
dank ihrer überdurchschnittlichen sozialen Kompetenz Gönner und Gönnerinnen auf
der ganzen Welt haben, erreichte sie auch heuer wieder eine Einladung. In einen
(wie es der Zufall will von Kramer und Kramer gestalteten) Garten mit einem
wunderschönen Haus mittendrin. An diesem erlesenen Ort befand sich allerdings
keine ordinäre Wohnstätte, hier hatten sich zwei herausragende Proponent:innen
ihres Fachs, nennen wir sie der Höflichkeit halber Wissenschaftler:innen,
namens Sissy von Bingen und Elias Feelgood mit ihrem »Transhumanistischen Institut«
niedergelassen. Sie fragen sich, was das ist? Das taten wir und die Bohnenbaums
auch. Auch wenn wir auf Basis eines strengen Non-Disclosure Agreements an
dieser Stelle nicht verraten können, wo sich dieses Institut befindet, ja nicht
einmal den Heimatkontinent an dieser Stelle nennen dürfen, darf gesagt werden,
was Sinn und Zweck der Einrichtung ist: die ewige Jugend. In diesem Leben
wohlgemerkt, nicht als jenseitige Belohnung dafür, dass man ein Leben lang brav
»Grüß Gott« und »Bitte« und »Danke« gesagt hat, um dann erst recht vom
Sensenmann geholt zu werden.[2]Hier also stand das führende Zentrum der unter dem Einfluss der kalifornischen[3] Sonne
und diverser das Bewusstsein beeinflussender Substanzen entstandenen
Anti-Tod-Bewegung, die die Unvermeidlichkeit des natürlichen Alterns nicht
länger akzeptiert, das Altwerden nicht einmal als lästige Unannehmlichkeit hinnehmen
will.
Nun ist »nicht
sterben« sicherlich ein für die meisten Lebewesen erst mal sehr erfreuliches
Konzept, besonders plausibel erscheint es auf Basis unserer Erfahrungen aber leider
nicht.
Die Bohnenbaums
sind bekanntlich offen für alles, hören und schauen sich das an. Die paar Tage
werden sie schon überleben, denken sie. Die Atmosphäre ist bezaubernd, das Haus
ein architektonisches Juwel, der Garten ein wilder, grüner Traum. Außer Rosa,
Nina, Sophie, Hans und Wolf-Walter Bohnenbaum sind nur drei weitere Gäste hier
vor Ort. Jackie und Fitzgerald, ein
schillerndes und liebenswürdige Paar unerkennbarer Herkunft, und ein gänzlich in Verbandszeug verpackter und somit
nicht identifizierbarer Herr aus Übersee, der sich als Elonius Second2None
vorstellt.[4]Ein zweifellos hochintelligenter, aber maximal halbgebildeter Bursche, der
seinen Antrieb aus oben erwähnten das Bewusstsein beeinflussenden Substanzen
bezieht, was unter Umständen zu Größenwahn führen kann, auf jeden Fall zu einem
wenig realistischen Selbst- und Weltbild und kaum zu großer Klugheit.[5] Mit ihm
gepflegt zu konversieren fiel den Bohnenbaums nicht leicht, was nicht nur
seinen Verbänden zuzuschreiben war.[6] Nur
Nina schien romantisch fasziniert, was wohl doch seinen Verbänden zuzuschreiben
war, da sie so gerne hilft und es sehr liebt, verliebt zu sein. Wer braucht da
ein Gesicht? Wesentlich angenehmer gestaltete sich das Zusammensein mit Jackie und Fitzgerald. Sie waren bereits seit mehreren
Wochen hier am Institut und standen den Bohnenbaums mit Rat und Tat zur Seite.
Etwa wie man das üble Gebräu aus Salamanderhaut[7]-Sekret,
Quallen[8]-Ausscheidungen
und diversen anderen unspezifizierbaren Zutaten hinunterbekam, das einem tagaus,
tagein in bunten Phiolen gereicht wurde. Und wie man mit dem Tagesplan zurechtkam,
der den liebgewordenen Gewohnheiten der Bohnenbaums so gar nicht entsprach. Hier
eine Gegenüberstellung:
Am Institut:
4:40 Uhr: Aufstehen
(allein)
5:00 Uhr: Frühstück
(Chiasamen, Macadamia-Nüsse und Beeren)
8:00 Uhr: Mittagessen
(Linsen und Knoblauch, gedämpft und püriert)
11:00 Uhr:
Abendessen (Brokkoli und Karfiol, gedämpft und
püriert)
18:00
Uhr: Schlafengehen
(allein)
Bei den Bohnenbaums:
Von 9:00 bis 11:00 Uhr: Aufstehen (gelegentlich
allein)
Von 9:30 bis 13:30 Uhr: Frühstück (alles, was schmeckt und gut
zubereitet ist)
Von 13:30 bis 16:30 Uhr: Mittagessen (alles, was schmeckt und gut
zubereitet ist)
Von 19:30 bis 23:30 Uhr: Abendessen (alles,
was schmeckt und gut zubereitet ist)
Von
24:00 Uhr bis gar nie:
Schlafengehen (gelegentlich allein)
Die menschliche
Spezies könnte, wenn sie es möchte, über sich selbst hinauswachsen, wissen die
Bohnenbaums. Da sind auch sie Transhumanist:innen. Aber ob es für die
Menschheit als Ganzes Sinn macht, wenn Einzelne darum wetteifern, wer länger
lebt, so als ginge es um die längere Yacht, ziehen sie in Zweifel. Die
Bohnenbaums sind überzeugt, der Drang zur Optimierung führt gar nicht immer zum
optimalen Resultat, das beste Leben ist nicht jenes, das am längsten dauert.
Sie, die ihrerseits
aus Vertreter:innen der Generationen X, Y und Z bestehen, halten es für
durchaus sinnvoll, dass sich Generationen irgendwann mal ablösen. Dem
unerbittlichen Schnitter irgendwann ein Schnippchen zu schlagen, indem wir
eines Tages unsere Telomere[9]entwirren, würde bedeuten, dass irgendwann so viele Menschen auf dem Planeten
leben, dass kein neuer mehr geboren werden darf. Irgendwie unfair. Denn ob
gerade wir die beste Menschheit aller Zeiten sind, die, die es wert ist,
bewahrt zu werden, muss getrost bezweifelt werden. Aber die Bohnenbaums haben auch
hier etwas für ein besseres Leben gelernt, die Vorsätze sind ambitioniert: Weniger arbeiten,
mehr schlafen, gelegentlich was anderes trinken als Gin Tonic.
[1]»Whatever
starts in California, unfortunately, has an inclination to spread.« Jimmy Carter, 39.
Präsident der Vereinigten Staaten.
[2]»Wer über den Tod geistreiche Dinge sagen kann, wer das über sich bringt, der
verdient ihn.« Elias
Canetti (1905–1994), bulgarisch-britischer Schriftsteller und Aphoristiker deutscher
Sprache.
[3] »Californians
invented the concept of life-style. This alone warrants their doom.« Don DeLillo, US-amerikanischer Schriftsteller.
[4] Er arbeitete außer an seiner Unsterblichkeit hier auch ganz konkret an
der Vorbereitung auf eine Schlägerei mit einem Kollegen, der im selben Tal zu
Hause ist wie er, aber 13 Jahre jünger ist und Jiu-Jitsu kann.
[5] Der berühmte, in Kalifornien geborene Super-Centenarian Yoda hat es etwa in
mehr als 700 Jahren Lebenszeit nicht geschafft, den eher simplen englischen
Satzbau S-P-O zu erlernen.
[6] »Was nützt einem die Gesundheit, wenn man ansonsten ein Idiot ist?« Bekannter
Kalauer unbekannter Herkunft.
[7] Salamander können
bekanntlich nicht nur ihre Gliedmaßen erneuern, sondern auch Linse und Netzhaut
des Auges und den Darm.
[8] Die Qualle Turritopsis dohrnii besitzt die Fähigkeit, ihren Lebenszyklus
vom Erwachsenen- ins Jugendstadium umzukehren, und gilt daher als potenziell
unsterblich.
[9] Telomere sind die »Schutzkappen«
unserer Chromosomen und spielen im Alterungsprozess eine zentrale Rolle.
FACTSHEET
Gartenfläche:
3.000m2
Möbel: Paul Smith, Paola Lenti
Ausstattung: »Family Chairs« und »Rabbit & the Tortoise
Collection«-Tische von Living Divani, »Mini Tomolo«-Sessel von Living Divani,
Sonnenschirm »Bistro« von Paola Lenti, »Rea«-Sessel & »Everyday Life «-Sofa
von Paul Smith/De Padova, »T.54«-Sessel von De Padova, Natursteinstufen,
polygonale Natursteinplatten
Bepflanzung: Waldmeisterunterpflanzung, Lavendel, Verbenen, Ysop, Zwergkiefern,
Seifenkraut, Wacholder, Hortensien, Sonnenhut, japanische Sicheltanne, uniqueTrees®- Solitärgehölze
- Weißföhren, Seidenbaum, Birken
Pflanztöpfe: »Bilbao« & »Atlantis Natural« von Domani
Familie Bohnenbaum:
Das gute Leben im Diesseits
Die Welt ist so schön, und die Welt ist so
reich,
Doch ist halt das Leben für alle nicht gleich.
Es geht durcheinander, es ist kunterbunt,
Und doch ist die bucklige Welt kugelrund.
Ein jeder Mensch hofft, und ein jeder Mensch strebt,
Doch viele sind da, die umsonst nur gelebt.
Was nützt alles Denken, es gibt nur den Schluss,
Es kommt schließlich alles, wie kommen es muss.
(aus: »Wenn der Herrgott net will, nutzt es gar nix« von Artur Kaps und Ernst Arnold, 1935)
DIE BOHNENBAUMS AUF DEM WEG IN DIE ZUKUNFT.
Die Bohnenbaums haben für das Religiöse keine besondere Begabung. Von dieser Seite erwarten sie keinen Trost und fürchten keine Drohungen. Der Himmel und auch die Hölle sind keine Option. Aber jünger werden die Bohnenbaums nicht. (Vergleichen Sie dazu einfach die Gesichter der Bohnenbaums im Kramer-und-Kramer-Magazin »Sommergartentraum« aus dem Jahr 2009 mit den hier zu sehenden.) Die eigene Endlichkeit ist ihnen wohl bewusst. Bis dato ist sie ihnen aber ein metaphysisches und kein technisches Problem. Und damit sind sie zusehends allein.
Mit Vehemenz und unter großem Jubel schwappt der Techno-Optimismus über den Großen Teich[1], ist mancherorts Religionsersatz. Und auch wenn die Bohnenbaums dem Zeitgeist nicht recht trauen, sich lieber mit den schönen Dingen befassen und den tagtäglichen Zumutungen wohlweislich aus dem Weg gehen, stolpern sie gelegentlich über Neuigkeiten aus der weiten Welt. Wenn sie lesen, sehen, hören (müssen), was so los ist draußen, was als modern gilt und was als überholt und wer aller glaubt, mit seiner Meinung recht zu haben, kommen sie ganz schön ins Staunen. Und manchmal übermannt sie das Gefühl, den Puls der Zeit nicht mehr zu spüren. Das wollen sie so nicht, die Neugierde ist angeboren. Was ihre Gegenwart so mit sich bringt, das möchten sie schon wissen, und riskieren gern mal einen Blick nach vorn in eine der vielen möglichen Zukünfte.
Da sie bekanntlich dank ihrer überdurchschnittlichen sozialen Kompetenz Gönner und Gönnerinnen auf der ganzen Welt haben, erreichte sie auch heuer wieder eine Einladung. In einen (wie es der Zufall will von Kramer und Kramer gestalteten) Garten mit einem wunderschönen Haus mittendrin. An diesem erlesenen Ort befand sich allerdings keine ordinäre Wohnstätte, hier hatten sich zwei herausragende Proponent:innen ihres Fachs, nennen wir sie der Höflichkeit halber Wissenschaftler:innen, namens Sissy von Bingen und Elias Feelgood mit ihrem »Transhumanistischen Institut« niedergelassen. Sie fragen sich, was das ist? Das taten wir und die Bohnenbaums auch. Auch wenn wir auf Basis eines strengen Non-Disclosure Agreements an dieser Stelle nicht verraten können, wo sich dieses Institut befindet, ja nicht einmal den Heimatkontinent an dieser Stelle nennen dürfen, darf gesagt werden, was Sinn und Zweck der Einrichtung ist: die ewige Jugend. In diesem Leben wohlgemerkt, nicht als jenseitige Belohnung dafür, dass man ein Leben lang brav »Grüß Gott« und »Bitte« und »Danke« gesagt hat, um dann erst recht vom Sensenmann geholt zu werden.[2]Hier also stand das führende Zentrum der unter dem Einfluss der kalifornischen[3] Sonne und diverser das Bewusstsein beeinflussender Substanzen entstandenen Anti-Tod-Bewegung, die die Unvermeidlichkeit des natürlichen Alterns nicht länger akzeptiert, das Altwerden nicht einmal als lästige Unannehmlichkeit hinnehmen will.
Nun ist »nicht sterben« sicherlich ein für die meisten Lebewesen erst mal sehr erfreuliches Konzept, besonders plausibel erscheint es auf Basis unserer Erfahrungen aber leider nicht.
Die Bohnenbaums sind bekanntlich offen für alles, hören und schauen sich das an. Die paar Tage werden sie schon überleben, denken sie. Die Atmosphäre ist bezaubernd, das Haus ein architektonisches Juwel, der Garten ein wilder, grüner Traum. Außer Rosa, Nina, Sophie, Hans und Wolf-Walter Bohnenbaum sind nur drei weitere Gäste hier vor Ort. Jackie und Fitzgerald, ein schillerndes und liebenswürdige Paar unerkennbarer Herkunft, und ein gänzlich in Verbandszeug verpackter und somit nicht identifizierbarer Herr aus Übersee, der sich als Elonius Second2None vorstellt.[4]Ein zweifellos hochintelligenter, aber maximal halbgebildeter Bursche, der seinen Antrieb aus oben erwähnten das Bewusstsein beeinflussenden Substanzen bezieht, was unter Umständen zu Größenwahn führen kann, auf jeden Fall zu einem wenig realistischen Selbst- und Weltbild und kaum zu großer Klugheit.[5] Mit ihm gepflegt zu konversieren fiel den Bohnenbaums nicht leicht, was nicht nur seinen Verbänden zuzuschreiben war.[6] Nur Nina schien romantisch fasziniert, was wohl doch seinen Verbänden zuzuschreiben war, da sie so gerne hilft und es sehr liebt, verliebt zu sein. Wer braucht da ein Gesicht? Wesentlich angenehmer gestaltete sich das Zusammensein mit Jackie und Fitzgerald. Sie waren bereits seit mehreren Wochen hier am Institut und standen den Bohnenbaums mit Rat und Tat zur Seite. Etwa wie man das üble Gebräu aus Salamanderhaut[7]-Sekret, Quallen[8]-Ausscheidungen und diversen anderen unspezifizierbaren Zutaten hinunterbekam, das einem tagaus, tagein in bunten Phiolen gereicht wurde. Und wie man mit dem Tagesplan zurechtkam, der den liebgewordenen Gewohnheiten der Bohnenbaums so gar nicht entsprach. Hier eine Gegenüberstellung:
Am Institut:
4:40 Uhr: Aufstehen (allein)
5:00 Uhr: Frühstück (Chiasamen, Macadamia-Nüsse und Beeren)
8:00 Uhr: Mittagessen (Linsen und Knoblauch, gedämpft und püriert)
11:00 Uhr: Abendessen (Brokkoli und Karfiol, gedämpft und püriert)
18:00 Uhr: Schlafengehen (allein)
Bei den Bohnenbaums:
Von 9:00 bis 11:00 Uhr: Aufstehen (gelegentlich allein)
Von 9:30 bis 13:30 Uhr: Frühstück (alles, was schmeckt und gut zubereitet ist)
Von 13:30 bis 16:30 Uhr: Mittagessen (alles, was schmeckt und gut zubereitet ist)
Von 19:30 bis 23:30 Uhr: Abendessen (alles, was schmeckt und gut zubereitet ist)
Von 24:00 Uhr bis gar nie: Schlafengehen (gelegentlich allein)
Die menschliche Spezies könnte, wenn sie es möchte, über sich selbst hinauswachsen, wissen die Bohnenbaums. Da sind auch sie Transhumanist:innen. Aber ob es für die Menschheit als Ganzes Sinn macht, wenn Einzelne darum wetteifern, wer länger lebt, so als ginge es um die längere Yacht, ziehen sie in Zweifel. Die Bohnenbaums sind überzeugt, der Drang zur Optimierung führt gar nicht immer zum optimalen Resultat, das beste Leben ist nicht jenes, das am längsten dauert.
Sie, die ihrerseits aus Vertreter:innen der Generationen X, Y und Z bestehen, halten es für durchaus sinnvoll, dass sich Generationen irgendwann mal ablösen. Dem unerbittlichen Schnitter irgendwann ein Schnippchen zu schlagen, indem wir eines Tages unsere Telomere[9]entwirren, würde bedeuten, dass irgendwann so viele Menschen auf dem Planeten leben, dass kein neuer mehr geboren werden darf. Irgendwie unfair. Denn ob gerade wir die beste Menschheit aller Zeiten sind, die, die es wert ist, bewahrt zu werden, muss getrost bezweifelt werden. Aber die Bohnenbaums haben auch hier etwas für ein besseres Leben gelernt, die Vorsätze sind ambitioniert: Weniger arbeiten, mehr schlafen, gelegentlich was anderes trinken als Gin Tonic.
[1]»Whatever starts in California, unfortunately, has an inclination to spread.« Jimmy Carter, 39. Präsident der Vereinigten Staaten.
[2]»Wer über den Tod geistreiche Dinge sagen kann, wer das über sich bringt, der verdient ihn.« Elias Canetti (1905–1994), bulgarisch-britischer Schriftsteller und Aphoristiker deutscher Sprache.
[3] »Californians invented the concept of life-style. This alone warrants their doom.« Don DeLillo, US-amerikanischer Schriftsteller.
[4] Er arbeitete außer an seiner Unsterblichkeit hier auch ganz konkret an der Vorbereitung auf eine Schlägerei mit einem Kollegen, der im selben Tal zu Hause ist wie er, aber 13 Jahre jünger ist und Jiu-Jitsu kann.
[5] Der berühmte, in Kalifornien geborene Super-Centenarian Yoda hat es etwa in mehr als 700 Jahren Lebenszeit nicht geschafft, den eher simplen englischen Satzbau S-P-O zu erlernen.
[6] »Was nützt einem die Gesundheit, wenn man ansonsten ein Idiot ist?« Bekannter Kalauer unbekannter Herkunft.
[7] Salamander können bekanntlich nicht nur ihre Gliedmaßen erneuern, sondern auch Linse und Netzhaut des Auges und den Darm.
[8] Die Qualle Turritopsis dohrnii besitzt die Fähigkeit, ihren Lebenszyklus vom Erwachsenen- ins Jugendstadium umzukehren, und gilt daher als potenziell unsterblich.
[9] Telomere sind die »Schutzkappen« unserer Chromosomen und spielen im Alterungsprozess eine zentrale Rolle.
Doch ist halt das Leben für alle nicht gleich.
Es geht durcheinander, es ist kunterbunt,
Und doch ist die bucklige Welt kugelrund.
Ein jeder Mensch hofft, und ein jeder Mensch strebt,
Doch viele sind da, die umsonst nur gelebt.
Was nützt alles Denken, es gibt nur den Schluss,
Es kommt schließlich alles, wie kommen es muss.
(aus: »Wenn der Herrgott net will, nutzt es gar nix« von Artur Kaps und Ernst Arnold, 1935)
DIE BOHNENBAUMS AUF DEM WEG IN DIE ZUKUNFT.
Die Bohnenbaums haben für das Religiöse keine besondere Begabung. Von dieser Seite erwarten sie keinen Trost und fürchten keine Drohungen. Der Himmel und auch die Hölle sind keine Option. Aber jünger werden die Bohnenbaums nicht. (Vergleichen Sie dazu einfach die Gesichter der Bohnenbaums im Kramer-und-Kramer-Magazin »Sommergartentraum« aus dem Jahr 2009 mit den hier zu sehenden.) Die eigene Endlichkeit ist ihnen wohl bewusst. Bis dato ist sie ihnen aber ein metaphysisches und kein technisches Problem. Und damit sind sie zusehends allein.
Mit Vehemenz und unter großem Jubel schwappt der Techno-Optimismus über den Großen Teich[1], ist mancherorts Religionsersatz. Und auch wenn die Bohnenbaums dem Zeitgeist nicht recht trauen, sich lieber mit den schönen Dingen befassen und den tagtäglichen Zumutungen wohlweislich aus dem Weg gehen, stolpern sie gelegentlich über Neuigkeiten aus der weiten Welt. Wenn sie lesen, sehen, hören (müssen), was so los ist draußen, was als modern gilt und was als überholt und wer aller glaubt, mit seiner Meinung recht zu haben, kommen sie ganz schön ins Staunen. Und manchmal übermannt sie das Gefühl, den Puls der Zeit nicht mehr zu spüren. Das wollen sie so nicht, die Neugierde ist angeboren. Was ihre Gegenwart so mit sich bringt, das möchten sie schon wissen, und riskieren gern mal einen Blick nach vorn in eine der vielen möglichen Zukünfte.
Da sie bekanntlich dank ihrer überdurchschnittlichen sozialen Kompetenz Gönner und Gönnerinnen auf der ganzen Welt haben, erreichte sie auch heuer wieder eine Einladung. In einen (wie es der Zufall will von Kramer und Kramer gestalteten) Garten mit einem wunderschönen Haus mittendrin. An diesem erlesenen Ort befand sich allerdings keine ordinäre Wohnstätte, hier hatten sich zwei herausragende Proponent:innen ihres Fachs, nennen wir sie der Höflichkeit halber Wissenschaftler:innen, namens Sissy von Bingen und Elias Feelgood mit ihrem »Transhumanistischen Institut« niedergelassen. Sie fragen sich, was das ist? Das taten wir und die Bohnenbaums auch. Auch wenn wir auf Basis eines strengen Non-Disclosure Agreements an dieser Stelle nicht verraten können, wo sich dieses Institut befindet, ja nicht einmal den Heimatkontinent an dieser Stelle nennen dürfen, darf gesagt werden, was Sinn und Zweck der Einrichtung ist: die ewige Jugend. In diesem Leben wohlgemerkt, nicht als jenseitige Belohnung dafür, dass man ein Leben lang brav »Grüß Gott« und »Bitte« und »Danke« gesagt hat, um dann erst recht vom Sensenmann geholt zu werden.[2]Hier also stand das führende Zentrum der unter dem Einfluss der kalifornischen[3] Sonne und diverser das Bewusstsein beeinflussender Substanzen entstandenen Anti-Tod-Bewegung, die die Unvermeidlichkeit des natürlichen Alterns nicht länger akzeptiert, das Altwerden nicht einmal als lästige Unannehmlichkeit hinnehmen will.
Nun ist »nicht sterben« sicherlich ein für die meisten Lebewesen erst mal sehr erfreuliches Konzept, besonders plausibel erscheint es auf Basis unserer Erfahrungen aber leider nicht.
Die Bohnenbaums sind bekanntlich offen für alles, hören und schauen sich das an. Die paar Tage werden sie schon überleben, denken sie. Die Atmosphäre ist bezaubernd, das Haus ein architektonisches Juwel, der Garten ein wilder, grüner Traum. Außer Rosa, Nina, Sophie, Hans und Wolf-Walter Bohnenbaum sind nur drei weitere Gäste hier vor Ort. Jackie und Fitzgerald, ein schillerndes und liebenswürdige Paar unerkennbarer Herkunft, und ein gänzlich in Verbandszeug verpackter und somit nicht identifizierbarer Herr aus Übersee, der sich als Elonius Second2None vorstellt.[4]Ein zweifellos hochintelligenter, aber maximal halbgebildeter Bursche, der seinen Antrieb aus oben erwähnten das Bewusstsein beeinflussenden Substanzen bezieht, was unter Umständen zu Größenwahn führen kann, auf jeden Fall zu einem wenig realistischen Selbst- und Weltbild und kaum zu großer Klugheit.[5] Mit ihm gepflegt zu konversieren fiel den Bohnenbaums nicht leicht, was nicht nur seinen Verbänden zuzuschreiben war.[6] Nur Nina schien romantisch fasziniert, was wohl doch seinen Verbänden zuzuschreiben war, da sie so gerne hilft und es sehr liebt, verliebt zu sein. Wer braucht da ein Gesicht? Wesentlich angenehmer gestaltete sich das Zusammensein mit Jackie und Fitzgerald. Sie waren bereits seit mehreren Wochen hier am Institut und standen den Bohnenbaums mit Rat und Tat zur Seite. Etwa wie man das üble Gebräu aus Salamanderhaut[7]-Sekret, Quallen[8]-Ausscheidungen und diversen anderen unspezifizierbaren Zutaten hinunterbekam, das einem tagaus, tagein in bunten Phiolen gereicht wurde. Und wie man mit dem Tagesplan zurechtkam, der den liebgewordenen Gewohnheiten der Bohnenbaums so gar nicht entsprach. Hier eine Gegenüberstellung:
Am Institut:
4:40 Uhr: Aufstehen (allein)
5:00 Uhr: Frühstück (Chiasamen, Macadamia-Nüsse und Beeren)
8:00 Uhr: Mittagessen (Linsen und Knoblauch, gedämpft und püriert)
11:00 Uhr: Abendessen (Brokkoli und Karfiol, gedämpft und püriert)
18:00 Uhr: Schlafengehen (allein)
Bei den Bohnenbaums:
Von 9:00 bis 11:00 Uhr: Aufstehen (gelegentlich allein)
Von 9:30 bis 13:30 Uhr: Frühstück (alles, was schmeckt und gut zubereitet ist)
Von 13:30 bis 16:30 Uhr: Mittagessen (alles, was schmeckt und gut zubereitet ist)
Von 19:30 bis 23:30 Uhr: Abendessen (alles, was schmeckt und gut zubereitet ist)
Von 24:00 Uhr bis gar nie: Schlafengehen (gelegentlich allein)
Die menschliche Spezies könnte, wenn sie es möchte, über sich selbst hinauswachsen, wissen die Bohnenbaums. Da sind auch sie Transhumanist:innen. Aber ob es für die Menschheit als Ganzes Sinn macht, wenn Einzelne darum wetteifern, wer länger lebt, so als ginge es um die längere Yacht, ziehen sie in Zweifel. Die Bohnenbaums sind überzeugt, der Drang zur Optimierung führt gar nicht immer zum optimalen Resultat, das beste Leben ist nicht jenes, das am längsten dauert.
Sie, die ihrerseits aus Vertreter:innen der Generationen X, Y und Z bestehen, halten es für durchaus sinnvoll, dass sich Generationen irgendwann mal ablösen. Dem unerbittlichen Schnitter irgendwann ein Schnippchen zu schlagen, indem wir eines Tages unsere Telomere[9]entwirren, würde bedeuten, dass irgendwann so viele Menschen auf dem Planeten leben, dass kein neuer mehr geboren werden darf. Irgendwie unfair. Denn ob gerade wir die beste Menschheit aller Zeiten sind, die, die es wert ist, bewahrt zu werden, muss getrost bezweifelt werden. Aber die Bohnenbaums haben auch hier etwas für ein besseres Leben gelernt, die Vorsätze sind ambitioniert: Weniger arbeiten, mehr schlafen, gelegentlich was anderes trinken als Gin Tonic.
[1]»Whatever starts in California, unfortunately, has an inclination to spread.« Jimmy Carter, 39. Präsident der Vereinigten Staaten.
[2]»Wer über den Tod geistreiche Dinge sagen kann, wer das über sich bringt, der verdient ihn.« Elias Canetti (1905–1994), bulgarisch-britischer Schriftsteller und Aphoristiker deutscher Sprache.
[3] »Californians invented the concept of life-style. This alone warrants their doom.« Don DeLillo, US-amerikanischer Schriftsteller.
[4] Er arbeitete außer an seiner Unsterblichkeit hier auch ganz konkret an der Vorbereitung auf eine Schlägerei mit einem Kollegen, der im selben Tal zu Hause ist wie er, aber 13 Jahre jünger ist und Jiu-Jitsu kann.
[5] Der berühmte, in Kalifornien geborene Super-Centenarian Yoda hat es etwa in mehr als 700 Jahren Lebenszeit nicht geschafft, den eher simplen englischen Satzbau S-P-O zu erlernen.
[6] »Was nützt einem die Gesundheit, wenn man ansonsten ein Idiot ist?« Bekannter Kalauer unbekannter Herkunft.
[7] Salamander können bekanntlich nicht nur ihre Gliedmaßen erneuern, sondern auch Linse und Netzhaut des Auges und den Darm.
[8] Die Qualle Turritopsis dohrnii besitzt die Fähigkeit, ihren Lebenszyklus vom Erwachsenen- ins Jugendstadium umzukehren, und gilt daher als potenziell unsterblich.
[9] Telomere sind die »Schutzkappen« unserer Chromosomen und spielen im Alterungsprozess eine zentrale Rolle.

FACTSHEET
Gartenfläche: 3.000m2
Möbel: Paul Smith, Paola Lenti
Ausstattung: »Family Chairs« und »Rabbit & the Tortoise Collection«-Tische von Living Divani, »Mini Tomolo«-Sessel von Living Divani, Sonnenschirm »Bistro« von Paola Lenti, »Rea«-Sessel & »Everyday Life «-Sofa von Paul Smith/De Padova, »T.54«-Sessel von De Padova, Natursteinstufen, polygonale Natursteinplatten
Bepflanzung: Waldmeisterunterpflanzung, Lavendel, Verbenen, Ysop, Zwergkiefern, Seifenkraut, Wacholder, Hortensien, Sonnenhut, japanische Sicheltanne, uniqueTrees®- Solitärgehölze - Weißföhren, Seidenbaum, Birken
Pflanztöpfe: »Bilbao« & »Atlantis Natural« von Domani
Gartenfläche: 3.000m2
Möbel: Paul Smith, Paola Lenti
Ausstattung: »Family Chairs« und »Rabbit & the Tortoise Collection«-Tische von Living Divani, »Mini Tomolo«-Sessel von Living Divani, Sonnenschirm »Bistro« von Paola Lenti, »Rea«-Sessel & »Everyday Life «-Sofa von Paul Smith/De Padova, »T.54«-Sessel von De Padova, Natursteinstufen, polygonale Natursteinplatten
Bepflanzung: Waldmeisterunterpflanzung, Lavendel, Verbenen, Ysop, Zwergkiefern, Seifenkraut, Wacholder, Hortensien, Sonnenhut, japanische Sicheltanne, uniqueTrees®- Solitärgehölze - Weißföhren, Seidenbaum, Birken
Pflanztöpfe: »Bilbao« & »Atlantis Natural« von Domani















